Projekt: Euthanasie-Gedenkort Ochsenzoll

Euthanasie-Gedenkort Ochsenzoll

  

Asklepios-Klinik Nord
Hamburg-Langenhorn
2016-2018

Die „Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“ im Norden Hamburgs war zwischen 1940 und 1945 Schauplatz zur Vorbereitung nationalsozialistischer Krankenmorde: über 3.600 Menschen wurden in dieser Zeit im Rahmen des „Euthanasie“-Programms in Tötungs- und Verwahranstalten deportiert. Über 2.600 von ihnen fanden dort den Tod, darunter bereits im Jahr 1940 135 jüdische Patientinnen und Patienten. In der Kinderfachabteilung des Krankenhauses selbst wurden über 20 Kinder ermordet.

1952 wurde das zwischenzeitlich so genannte „Allgemeine Krankenhaus Langenhorn“ in „Allgemeines Krankenhaus Ochsenzoll“ umbenannt. Auf Initiative von Mitarbeitenden im Standort Ochsenzoll der heutigen Asklepios-Klinik Nord wurde in den 2000er Jahren vor dem Direktoriumsgebäude (Walter-Behrmann-Haus, Haus 25) auf einer kleinen Rasenfläche bereits ein Gedenkstein für die Opfer der „Euthanasie“ errichtet. Dieser enthielt für einen angemessenen Gedenk- und Lernort an einem zentralen Hamburger Schauplatz dieser NS-Verbrechen jedoch nicht genügend Informationen. Die Freifläche sollte daher zu einem würdigen Euthanasie-Mahnmal umgestaltet, der Gedenkstein hierin erhalten und integriert sowie durch Informationsträger ergänzt werden.

Der Gedenkstein und eine Blutbuche finden sich nun in einem elliptischen Beet, das mit weißblühendem Lavendel bepflanzt und mit einem Cortenstahl-Band eingefasst ist.

Es bildet eine Insel auf einer rechteckigen Fläche aus großformatigen, anthrazitgrauen Bodenplatten aus Beton – an einer der Langseiten über diese Fläche hinausragend. An deren gegenüberliegenden Schmalseiten sind drei Glasstelen platziert: im Boden eingespannte Verbundgläser mit innenliegend bedruckter, teils opaker, teils transluzenter Folie.

Die elliptische, weißblühende Insel mit Stein und Baum steht für das zarte, bedrohte, schützenswerte, widersprüchliche, geheimnis- und wertvolle Leben des Menschen. Die Ellipse ist nach Ernst Cassirer, dem großen deutsch-jüdischen Philosophen, der bis zu seiner Emigration 1933 in Hamburg gewirkt hat, ein Symbol menschlicher Freiheit im Kosmos. In christlicher Tradition ist die Ellipse mit ihren beiden Brennpunkten mit der Dualität der Schöpfung konnotiert: Dunkelheit und Licht, Schuld und Erlösung, Tod und Leben.

Am 02. Mai 2018 wurde der neue Gedenkort unter Beteiligung von Angehörigen, Mitarbeitenden der Klinik sowie Vertreterinnen und Vertretern von Gedenkinitiativen, des Senates, der Kirchen und der jüdischen Gemeinden feierlich eingeweiht.  

Bauherren
Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg
Asklepios Kliniken Hamburg 

Gestaltete Freifläche
32 m²

Bruttoherstellungskosten
30.000 €

Leistungen
Entwurf und Planung der Freiflächen, 
Entwurf und Layout der Glasstelen